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Inklusiver Unterricht von Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten und Verhaltensproblemen: Konzeptualisierung und Evidenzbasierung didaktischer Methoden und Strategien

Leitung und Mitarbeiter*innen

Prof. Dr. Gino Casale

Wiss. Mit. Johannes Weber

Wiss. Mit. Niklas Hamel

Wiss. Mit. Tugce K. Durgut

 

Projektbeschreibung


In inklusiven Schulklassen stellen Lern- und Verhaltensprobleme der Schüler*innen eine wichtige Heterogenitätsdimension dar. Schüler*innen mit bedeutsamen Lern- und Verhaltensproblemen bedrohen massiv den Schulerfolg, beeinträchtigen die Beziehungen zu ihren Mitschüler*innen sowie Lehrkräften und stellen eine enorme Belastung für Lehrkräfte dar (de Boer, Pijl & Minnaert, 2011; Krull et al., 2018; Reinke et al., 2009). Diese Problemlagen interferieren insbesondere im inklusiven Unterricht mit dem individuellen und kollektiven Lernerfolg und fordern gleichzeitig die Fähigkeit von Lehrkräften in der Inklusion, ein passendes Lehrangebot für diese Zielgruppe zu gestalten (Gräsel, König & Decristan, 2017).

Es existieren zahlreiche Studien wie auch Meta-Analysen, die zum einen die Zielgruppe differenziert beschreiben (z. B. Hennemann et al., 2020; Visser et al., 2019) und zum anderen die Wirksamkeit von Trainingsprogrammen und Förderstrategien für Kinder und Jugendliche mit Lern- und Verhaltensproblemen nachweisen (z. B. Casale et al., 2014; Grünke, 2006). Zudem liegen Konzeptionen zur Professionalität von Lehrkräften vor, die modellieren, welche Kompetenzen Lehrkräfte in der Inklusion für einen adaptiven Umgang mit Heterogenität erwerben sollten (Gräsel et al., 2017).

Bislang fehlen jedoch zum einen eine inhaltlich-konzeptionelle Klärung dessen, was die beteiligten Akteure (v. a. die Lehrkräfte und die Schüler*innen) unter inklusivem Unterricht mit Schüler*innen mit Lern- und Verhaltensproblemen verstehen sowie zum anderen eine Analyse der spezifischen Wirksamkeit von Trainingselementen, Förderstrategien und didaktischen Methoden im inklusiven Unterricht bei Schüler*innen mit Lern- und Verhaltensproblemen. Beides ist jedoch wichtig, um inklusiven Unterricht mit Schüler*innen mit Lern- und Verhaltensproblemen evidenzbasiert auszurichten (Grosche, 2017).

Im Projekt adressieren wir die beiden Desiderate, in dem wir (1.) durch einen partizipativen und qualitativ-empirischen Ansatz ein Konzept von inklusivem bzw. sonderpädagogischen Unterricht entwickeln und (2.) eine systematische Synthese der vorhandenen externen wissenschaftlichen Evidenz zur Wirksamkeit von sonderpädagogischem Unterricht vornehmen und den Forschungsstand systematisch aufbereiten. Nach Erreichen dieser Ziele liegt das erste evidenzbasierte Konzept zum inklusiven Unterrichten von Schüler*innen mit Lern- und Verhaltensproblemen vor, das a) an den Bedürfnissen der Schüler*innen ausgerichtet ist, b) die Professionalität der Lehrkräfte berücksichtigt und c) auf seine externe wissenschaftliche Evidenz geprüft ist.

 

Literatur

De Boer, A., Pijl, S. J. & Minnaert, A. (2011). Regular primary schoolteachers’ attitudes towards inclusive education: A review of the literature. International journal of inclusive education, 15(3), 331-353.

Casale, G., Hennemann, T., & Hövel, D. (2014). Systematischer Überblick über deutschsprachige schulbasierte Maßnahmen zur Prävention von Verhaltensstörungen in der Sekundarstufe I. empirische Sonderpädagogik, 6(1), 33-58.

Gräsel, C., Decristan, J. & König, J. (2017). Adaptiver Umgang mit Heterogenität im Unterricht. Unterrichtswissenschaft, 45(4), 195-206.

Gräsel, C., Decristan, J. & König, J. (2017). Adaptiver Umgang mit Heterogenität im Unterricht – eine Einführung in das Themenheft. Unterrichtswissenschaft, 45, 195-206.

Grosche, M. (2017). Brücken bauen, statt einreißen! Introspektion der quantitativ-empirischen Sonderpädagogik zur Ermöglichung einer inter- und transdiskursiven Zusammenarbeit. Sonderpädagogik zwischen Wirksamkeitsforschung und Gesellschaftskritik. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Grünke, M. (2006). Zur Effektivität von Fördermethoden bei Kindern und Jugendlichen mit Lernstörungen: Eine Synopse vorliegender Metaanalysen. Kindheit und Entwicklung, 15(4), 239-254.

Hennemann, T., Casale, G., Leidig, T., Fleskes, T., Döpfner, M. & Hanisch, C. (2020). Psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung (PEARL) – Ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt zur Entwicklung von Handlungsempfehlungen. Zeitschrift für Heilpädagogik, 71, 44-57.

Krull, J., Wilbert, J. & Hennemann, T. (2018). Does social exclusion by classmates lead to behavior problems and learning difficulties or vice versa? A cross-lagged panel analysis. European Journal of Special Needs Education, 33(2), 235–253.

Reinke, W., Splett, J., Robeson, E. & Offutt, C. (2009). Combining school and family interventions for the prevention and early intervention of disruptive behavior problems in children: A public health perspective. Psychology in the Schools, 46(1), 33-43.

Visser, L., Büttner, G. & Hasselhorn, M. (2019). Komorbidität spezifischer Lernstörungen und psychischer Auffälligkeiten. Ein Literaturüberblick. Lernen und Lernstörungen, 8(1), 7-20.

 

 

Laufzeit

03/2020 – 09/2022